chronik: herbstfahrt 1995  

 
Von Dunkelburgen, Wandervögeln und Fresspaketen

Alles begann damit, daß sich am ersten Samstag in den Ferien sechs Pfadis am Sippenheim in Rödelheim trafen, um sich mit zwei Schöne-Wochenend-Tickets auf die lange Reise zu begeben. Über Mannheim und Kehl kamen wir gegen Mit-tag in Straßburg an. Dort hatten wir einen Vierstündigen Aufenthalt und schauten die touristischen Höhepunkte der Stadt an, bzw. wurden selbst zu einem dieser. Als wir an unserem eigentlichen Ziel, Wissembourg, ankamen, dämmerte es be-reits und nachdem wir etwa 1 km außerhalb der Stadt die Kohte aufgebaut hatten, gingen wir recht spät in die Mupfeln. Am nächsten Morgen kam der große Schock, der kleine Thomas hatte Bauchschmerzen und anscheinend Fieber, also ihn flugs zum nächsten Arzt geschleppt (im wahrsten Sinne des Wortes, denn er war noch nicht einmal mehr fähig, alleine zu laufen). Dieser attestierte ihm auch gleich eine "estomac-intestin-mauvaise humeur" und nach einem kleinen Kriegsrat beschlossen wir, ihn von seinen Eltern abholen zu lassen. Als die Eltern nach 4-Stündiger Wartezeit eintrafen, konnte er sogar wieder seinen schweren Rucksack tragen (was Eltern doch für erstaunliche Heilkräfte haben können).

Kaum war das Auto um die nächste Ecke, machten wir uns auf die Socken (I-gitt!). Die folgenden Tage führte uns unser Weg an so manch beschaulichem "Château ruine" vorbei. Wir ließen es uns nicht nehmen, jedes dieser auf und in Sandsteinklippen gebauten Felsennester zu erkunden. Die Burgen tragen Namen wie "Löwenstein" (Stammburg Franz von Sickingens), "Hohenbourg", "Wegelnburg", "Fleckenstein" (kostet Ein Tritt, lohnt sich aber), "Fröhnsbourg", "Wasigenstein", "Nouveau- et vieux- Windstein". Unterwegs sangen wir ein paar mal vor Publikum, teils, um uns zu bedanken, teils, weil sie uns darum baten ("ooch, is das doll, dasses sowas noch gibt!" - original düsseldorfer Dialekt).

Auf der Fröhnsbourg bekamen wir von einem einer Gruppe französischer Solda-ten, die sich gerade im Manöver befanden, die Reste ihrer Freßpakete, was zu ei-ner wahren Konsumschlacht mit all ihren Folgen ausartete. Eine vorbeilaufende Seniorenwandergruppe konnte nur die Köpfe schütteln ob des riesigen Müllberges, den wir fabriziert hatten. Nachdem uns immer mal wieder kleine Gruppen Wandervögel über den Weg gelaufen waren, trafen wir eines Abends auf der Ruine Neu-Windstein den ganzen Orden, der sich dort versammelt hatte, um ein Fest zu feiern. Wir wurden von ihren Pimpfen neugierig beäugt und auch unser Schlafplatz auf der gegenüberliegenden Ruine Alt-Windstein wurde ausgekundschaftet, aber leider kamen sie in der Nacht nicht vorbei (Die hätten was erleben können!).

Durch die Krankheit von Thomas mußten wir unsere Wanderroute stark kürzen, und so kamen wir bereits zwei Tage zu früh an unserem neuen Ziel Niederbronn-les-Bains an. Auf der Suche nach einem Schlafplatz kamen wir über das Frem-denverkehrsamt an die Adresse eines alten Pfadfinders. Er nahm uns auch gleich freundlich auf und während der Fahrt zum Pfadi-Zeltplatz erfuhren wir, daß er der ehemalige Bundesführer der "F.S.E.-Alsace" sei und daß er sich recht gut in der Pfadfinderszene von Deutschland auskennt (von der HP hatte er trotzdem noch nichts gehört). Der Zeltplatz gehört zu einer alten Kapelle, die gerade von ehema-ligen Pfadfindern renoviert wird und erstreckt sich über eine riesige Wiese und ein größeres Waldstück und es gibt sogar ein richtiges Klo!

Nach zwei faulen Tagen, einer Dusche im Schwimmbad und einem leckeren "tar-te flambée" (Zwibbelkuchen) Abschlußessen schlossen wir nach einer Woche die Fahrt wieder in Rödelheim und waren uns alle einig, daß es eine einfach genial gelungene Fahrt war.

lueden.